Presidential election, Thanksgiving, Final Exams, die letzten Wochen...

03Jan2017

Nach langer Zeit nun wieder einmal eine Meldung (wahrscheinlich die Vorletzte) - es war mir einfach irgendwie nicht möglich, in den letzten Wochen ausführlicher über meine Erlebnisse zu schreiben.....zu viele Erlebnisse, Eindrücke und Dinge, die erledigt werden mussten!

Wer glaubt, diesen Eintrag in 5 Minuten schnell durchlesen zu können - sorry, wird etwas länger :D

Mein letzter Eintrag stammt aus dem Oktober - zu dieser Zeit steckte ich mitten im Semester. Die Ergebnisse der Midterms waren sehr zufriedenstellend, der Arbeitsaufwand hatte sich gelohnt.

An einem Sonntag ging es mit 2 Autos in den Sequoia Nationalpark, wo es den größten Baum der Erde und seine Artgenossen zu bestaunen gab. Wie klein und unbedeutend man sich neben diesen Riesen fühlt...noch nie war ich von Natur so überwältigt.

Im Laufe desselben Monats machte sich zusehends bemerkbar, dass da eine Präsidentschaftswahl ansteht. Wir wissen alle, wie sie ausging - später dazu ein paar Worte. Für mich unbekannt (bzw. nicht so bewusst) und interessant zu sehen waren die presidential debates - ich glaube, es waren 3 an der Zahl. Meiner Meinung nach kamen diese Debatten einem Zirkus mit Schlammschlacht recht nahe. Beide Kandidaten schmissen sich meist Vorwürfe an den Kopf (Mr. Trump unterbrach Hillary meist kindisch mit "wroooooong"), wobei die Kandidatin der Demokraten doch sehr viel mehr vorbereitet schien und (wenigstens) ein paar sinnvolle Dinge zur Sprache brachte, je nachdem welches Thema gerade diskutiert werden sollte. Von Donald kam inhaltlich (m.M.n.) wenig bis gar nichts. Soweit so gut. Neu war mir auch, dass es nicht nur um die Wahl eines Präsidenten ging, sondern in jedem Staat auch um ein Yes/No zu bestimmten "propositions", also neuen Gesetzen oder Gesetzesänderungen. In Kalifornien war das z.B. mit Nummer 64 die Legalisierung von Marijuana (ja, jetzt ist es legal). Zu diesen Änderungen kamen im Fernsehen dann auch ständig Spots ("Vote yes/no on..." usw. usw.)

Den Tag der Wahl selbst und den Tag danach werde ich wohl ewig in Erinnerung behalten. Viele interessante Gespräche fanden in diesen Tagen statt und ich konnte neue, andere aber auch bekannte Perspektiven kennenlernen. Vorneweg: ja, Donald Trump ist inkompetent, rassistisch und frauenfeindlich - alles, was einer der mächtigsten Männer der Welt eben logischerweise nicht sein sollte. Dass jemand wie er überhaupt soweit kommt, spricht auch nicht gerade für das Land. Aber nun ein paar Gedanken, die ich während dieser Zeit eben aufsammeln konnnte.

Clinton war in dem Sinne nur das "lesser of two evil". Die E-Mail-Affäre und den Vorwurf, nur für eigenes Ansehen und Wohl Präsidentin werden zu wollen, hat ihrem Image in der amerikanischen Bevölkerung nicht gerade gut getan. In vielen Teilen war sie regelrecht verhasst. Frei nach dem Motto "Dann lieber Trump, bevor ich eine korrupte Hexe wähle, die ebenso mit Lügen um sich schmeißt." Nicht gerade weitsichtig, ich weiß. Auch waren viele (aus welchem Grund auch immer), durch Obamas Politik so vergrault, dass sie rein aus Protest Rot wählten. Auch nicht gerade sehr helle.

Der Großteil der jungen, studierenden Bevölkerung hätte am liebsten für Senator Bernie Sanders gestimmt - der allerdings leider im Kanditatschaftsrennen gegen Hillary den Kürzeren zog. Seine liberalen Ansätze kamen manchen europäischen Politikern sehr nahe (z.B. kostenlose Bildung) und auch wenn fraglich ist, wie viel davon umsetzbar gewese wäre....definitiv die bessere Option.

Für Trump stimmte überwiegend die ältere Bevölkerung, außerdem war der Großteil ohne jeglichen universitären Abschluss. Interessant: viele Hispanics stimmten ebenfalls für ihn. (ja genau, die "Hombres", die er aus dem Land schmeißen will)

Hillary gewann genau genommen die Wahl, da sie insgesamt gezählt mehr Stimmen im Land hatte. Aber im amerikanischen System gibt es eben das "electoral college"....und das macht in meinen Augen so viel Sinn wie Trump selbst.

Trump hat keine Ahnung von Politik. Wahrscheinlich auch keine Ahnung als Geschäftsmann, sonst hätte er nicht Millionen Dollar an Schulden. Auch hat er keinen blassen Schimmer von Diplomatie, wenn man bedenkt, dass er über Twitter Dinge verbreitet, die weder Sinn machen noch angebracht sind. Die Leute, die er sich bis jetzt ins Regierungsboot geholt hat, sind auch nicht gerade die beste Wahl, sowohl was ihre Kompetenz als auch ihre Ansichten angeht. Was stimmt also für die nächsten 4 Jahre positiv? Wenig, aber immerhin etwas. Ich vertraue auf Menschlichkeit und ein wenig Vernunft der Bevölkerung. Auch gibt es im System "checks & balances"....und auch wenn der Senat ebenfalls in der Hand der Republikaner ist, so müssen die Leute dort ein wenig mehr Ahnung von Politik haben, als er. Bevor also mehr als 3 Millionen Menschen des Landes verwiesen werden oder eine meterhohe Mauer gebaut wird, stehen für Mr. Trump ein paar Hindernisse im Weg. Die werden, so hoffe ich, in den meisten Fällen unüberwindbar sein. Trotz allem wird er natürlich viel Arbeit seines Vorgängers leider wieder zerstören. Positiv stimmt auch, dass er nach der Wahl (wie viele Male) seine Meinung zu bestimmten Dingen auf einmal änderte, hin zu weniger radikalen Ansichten.

Am Tag nach der Wahl brachen landesweite Proteste aus, teilweise recht heftig. Auch an meiner Uni wurde laut und deutlich protestiert. Auch diskutierten wir in einer class am Tag danach über das Ergebnis der Wahl und viele sprachen ihre Ängste und Sorgen aus.

Es bleibt nun spannend, was uns erwartet.

 

Genug von Politik. Nach der Wahl gegen Ende November stand Thanksgiving an und eine Woche Ferien. In dieser Woche fuhr ich mit 2 Freunden und meiner alten Karre in den Süden nach San Diego (sehr schöne Stadt mit viel mexikanischem Flair), dann in den Norden zum Yosemite Nationalpark (Berge, Wald, Natuuuuuuur) und danach ein zweites Mal San Francisco. Dort verbrachte ich die Tage bei einem amerikanischen Bekannten, der mich auch zu seiner Familie einlud. Während dieser Tage musste ich schon an einem assignement für einen Kurs arbeiten, thanksgiving konnte ich trotzdem miterleben. Worum geht es? Ich glaube, um Dankbarkeit. Das, was ich mitbekommen habe: Essen. Möglichst viel, möglichst von allem etwas, möglichst ungesund und vor allem: mit Plastikgeschirr essen. Sicherlich nicht überall der Fall, aber bei mir war es so. Nichtsdestotrotz war es interessant, einen Einblick zu bekommen.

Black Friday stand in dieser Woche auch an. Sale. Und Unmenschlichkeit. Wenn Menschen sterben, weil sie sich bei der Jagd um die besten Deals zu Tode trampeln, kann ich nur noch den Kopf schütteln. Klar sind die Angebote sehr gut und man kann echte Schnäppchen absahnen - aber dann bestellt man doch einfach online und rennt nicht in eine völlig überfüllte Mall....generell habe ich den Eindruck, dass Amerika sehr viel mehr eine Konsumgesellschaft ist, als es bei uns der Fall ist.

Auf dem Rückweg besuchten wir nahe San Luis Obispo den roommate meiner Reisebegleiter - auf dem Land hatte die Familie ein schönes Haus auf einem Hügel. Mit 2 Hunden, riesen Garten (mit Pool natürlich) und einem Kamin. Auch wenn es nur eine Nacht war, fühlten wir uns sehr willkommen und hatten eine schöne Zeit.

Zurück in Long Beach standen die wohl stressigsten Wochen meines Auslandssemesters an. Schon über die Ferienwoche musste ich 2 Projekte abschließen. Ein Rehaprotokoll zu einer Verletzung meiner Wahl und ein 12-monatiges Trainingsprogram für eine Person meiner Wahl (ja, unglaublich viel Arbeit). Direkt danach standen dann in allen Kursen die Final Exams und ein paar Präsentationen an. Jeden Tag also Bibliothek, pauken, paper schreiben und Studien lesen. Es waren anstrengende, intensiven 2-3 Wochen, allerdings konnte ich aus Allem unglaublich viel mitnehmen. Auch die Endnoten lassen sich, wie ich finde, sehen. Diesbezüglich hat sich die Zeit also mehr als gelohnt.

Mitte Dezember war nun (traurigerweise) das Semester an der California State University Long Beach zu Ende. Zeit also, meinen abschließenden Trip zu planen (von welchem aus ich gerade unterwegs schreibe), wichtige Menschen zu verabschieden und einige organisatorische Dinge für meine Rückkehr zu erledigen.

Wo ich überall unterwegs war, bin und sein werde, schreibe ich in meinem abschließenden Blogeintrag. Darin werde ich auch versuchen, die kompletten 6 Monate Revue passieren zu lassen!

Ende Januar geht es für mich wieder zurück nach Deutschland (kaum zu glauben). Bis dahin werde ich noch so viel wie möglich mitnehmen.

Ich hoffe sehr, dass Weihnachten und Neujahr für jeden einzelnen für euch schön und erfüllend war,

ganz liebe Grüße aus Louisiana, euer Simon

San Diego San Diego San Diego San Diego San Diego San Diego Sequoia Nationalpark biggest tree in the worldSequoia Nationalpark Yosemite Nationalpark Yosemite Nationalpark

Midterms, Exams, San Francisco und vieles mehr

09Okt2016

Ein wenig mehr als 2 Monate sind nun vergangen und es ist wieder unglaublich viel passiert. So ganz langsam habe ich mich eingelebt, mehr Kontakte knüpfen können und finde mich immer besser zurecht. Funfact: die Hälfte des Semester ist schon rum - die Zeit vergeht einfach unglaublich schnell, wie das halt so immer ist.

Mittlerweile bin ich stolzer Besitzer eines Toyota Corolla CE Baujahr 1997 mit beinahe 250.000km auf dem Tacho. Die Dinger halten allerding ewig und ich bin bis jetzt mehr als zufrieden! Die Registrierung des Autos gestaltete sich allerdings etwas schwierig. Wie das mit Behörden oft so ist, ist das DMV (= department of motor vehicles) nicht gerade die schnellste und effektivste (und bei den Einheimischen auf keinen Fall beliebteste) Institution....mit viel Geduld konnte aber auch das erledigt werden.

Unter der Woche und teilweise auch am Wochenende bin ich viel mit Uni-Arbeit beschäftigt - es ist zwar nicht allzu schwer was das Niveau angeht, allerdings ist die Umstellung auf Englisch doch etwas schwieriger als gedacht. Außerdem kommt bei 4 Kursen á 2 mal die Woche einiges an Inhalt zusammen! Auch wenn ich die Creditpoints (leider) nicht nach Deutschland mitnehmen kann, möchte ich hier fachlich gesehen so viel wie möglich mitnehmen, gute Noten bekommen und mich reinhängen. Gar nicht so einfach im schönen Kalifornien, wo man eigentlich jedes Wochenende etwas Neues entdecken könnte oder unter der Woche jeden Tag an den Strand...hier eine Balance zwischen Uni und Freizeit zu finden, fällt mir persönlich gar nicht so leicht und muss noch gefunden werden. ;-)

Diesen Dienstag beispielsweise muss ich in einem der Kurse ein 5-seitiges Paper mit Quellen abgeben - natürlich auf der Online-Lernplattform via Dropbox. Gar nicht so einfach über Gen-Veränderungen, Aktionspotential-Weiterleitungen und Muskel-Proteine einen kleinen wissenschaftlichen Artikel auf Englisch zu verfassen...nach einigen Stunden Arbeit wurde das Biest aber bewältigt und ich bin sehr zufrieden. Am Mittwoch dann gleich das nächste Exam...die Woche darauf eine Präsentation über eine beliebige Studie....es wird also nicht langweilig! Aber erfreulicherweise alles sehr interessant und wertvoll für mich. Ich hoffe, ich werde auch noch ein wenig Zeit für andere Aktivitäten finden.

Die Uni, die Kurse, und das Studentenleben an sich gefallen mir immer noch sehr. Der Campus bietet alles, was man braucht, was das Herz begehrt und schaut super aus. Allerdings ist und war es für mich schwierig, in meinen Kursen Kontakt mit meinen Mitstudenten aufzunehmen. Internationale Studenten sind hier an der Uni Alltag - was es einem als Solcher schwer macht, Anschluss an die "Locals" zu finden. Trotz aller Freundlichkeit und Zuvorkommenheit fühle ich mich nicht ganz aufgenommen...vielleicht auch nur ein Einzelfall und meiner Zurückhaltung geschuldet. In einem meiner Kurse (ein upper division course, was in Deutschland dem Master entsprechen würde) habe ich glücklicherweise ein paar "amerikanische" Freunde finden können. Wieso die Anführungszeichen? Bis jetzt habe ich noch niemanden kennengelernt, der wirklich voll und ganz "amerikanisch" ist. Jeder hat seine Wurzeln irgendwo anders, jeder trägt ein unterschiedlichen ethnischen Anteil in sich - von überall auf der Welt. Ob mexikanisch, deutsch, irisch, russisch, japanisch, chinesisch oder sogar persisch, man findet alles. Meiner Meinung nach macht es das Land zu einem gewissen Grad aus, macht es sehr viel interessanter. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass man das in Gesprächen mit anderen mit Stolz erwähnt.

Nebe der Uni konnte ich aber natürlich auch vier sehr beeindruckende und schöne (Kurz-)Trips seit der Zeit meines letzten Eintrags unternehmen:

1. San Francisco - eine unglaublich teure, aber wirklich unglaublich schöne Stadt. Selten habe ich so viel Flair, so viel Atmosphäre an einem Ort verspürt. Die Architektur der Häuser, die Struktur der Stadt an sich und die Sehenswürdigkeiten gaben ein rundes und beeindruckendes Bild ab. Selbst die Menschen waren sehr verschieden, anders als sonst - so gar nicht amerikanisch. Die wichtigsten Dinge konnte wir von Donnerstag bis Sonntag abhaken: Golden Gate Bridge, Alcatraz, Lombard Street, eine Cable Car-Tour (eines meiner persönlichen Highlights) und China-Town. Einzig für das Wetter war ich vorbereitet...bei 20 Grad und kühlem Wind nur mit Tanktops ausgestattet zu sein, war weder klug noch gesund - was mir mein Körper nach dem Ausflug unmissverständlich zu verstehen gab! Auf dem Rückweg nach Long Beach fuhren wir dann direkt am Meer den Highway No. 1 entlang, mit einer Übernachtung in Monterey. Die Strecke ist sehr berühmt und nun weiß ich auch weshalb. Selten war Autofahren schöner! Roadtrip-feeling...

2. Laguna Beach - der Ort der Superreichen und (wahrscheinlich überwiegend) Schönen. Knapp 40 Minuten Fahrtzeit von Long Beach entfernt hatten wir hier einen sehr schönen und gemütlichen Tag am Strand. Anders als sonst waren es kleine Buchten mit Villen direkt an den Klippen und idyllischen Stränden. Falls man sich also ein wenig wie in "O.C., California" fühlen möchte....in Newport Beach, 5 Minuten entfernt spielt die Serie ;-)

3. Samstag vor einer Woche fuhren wir zum Joshua Tree Nationalpark, der nur ein wenig mehr als 2 Stunden von LA entfernt liegt. Bei Amerikanern ein beliebtes rockclimbing Ziel, war für uns die Landschaft an sich schon mehr als sehenswert. Eine besondere Art von Bäumen gepaart mit rund geformten Felsen und einem wüstenähnlichen Klima. Nachts konnten wir sogar auf einen höher gelegenen Felsen klettern und wie im Bilderbuch die Sterne (inklusive Sternschnuppen!) beobachten. Auch hier kam in den teils menschenleeren Abschnitten Roadtrip-feeling auf, mein Toyota Corolla brachte uns am Ende wieder sicher nach Hause.

4. Gestern fuhr ich abends mit 3 meiner indischen Mitbewohnern zum Griffith Observatorium oberhalb von LA, von wo sich uns eine atemberaubende Aussicht über die ganze, wirklich riesige Stadt bot - das Bild der blinkenden Lichter, schnurgeraden Straßen und der Skyline werde ich nicht vergessen. Wichtig natürlich, dass der Weg statt eigentlich knapp 45 Minunten ca. das Doppelte an Zeit in Anspruch genommen hat....just LA-traffic things...

 

Die nächsten Wochen werden wie schon erwähnt voll mit Uni-Arbeit sein, aber sicherlich findet sich auch noch die ein oder andere Aktivität. Heimweh stellt sich glücklicherweise noch nicht ein - aber natürlich denke ich öfter an meine Heimat...viele Dinge laufen in Deutschland definitiv besser ab als hier. Das werde ich denke ich in einem meiner letzten Blogeinträge Revue passieren lassen! Bis dahin sauge ich alles auf, was mir hier begegnet und hoffe, für mich persönlich das Beste daraus mitzunehmen.

 

Liebe Grüße aus (dem immer noch sonnigen und knapp 30 Grad warmen) Long Beach nach good old germany,

 

euer Simon

Joshua Tree   Joshua Tree Joshua Tree  Joshua Tree Joshua Tree Joshua Tree SanFran skyline in the background Golden State Bridge SanFran Chinatown Cable Cars Lombard Street Alcatraz   Highway No. 1LA skyline @ Griffith LA skyline @ Griffith

 

die ersten 23 Tage....

28Aug2016

....sind nun vorbei und ich habe bereits in dieser kurzen Zeit eine unglaubliche Menge an Eindrücken einsammeln können. Ich möchte euch hier nun einen kleinen Einblick in die ersten Schritte meines Auslandssemesters geben.

 

Am 05.08. um 17:30 LA-Ortszeit kam ich am Flughafen LAX an. Bereits mehr als 20 Stunden wach, aber (noch) nicht müde denn viel zu gespannt auf all das, was kommen wird. Schon der lange Flug war eine neue Erfahrung für mich, ein wenig schade, dass ich keinen Fensterplatz mehr reservieren konnte....die Sicherheitskontrolle am Flughafen lief erstaunlich unspektakulär ab und ich durfte ohne intensivere Kontrolle die "american border" passieren. Direkt vor dem Flughafen wartete ich dann ca. 20 Minuten auf ein Shuttlebus, der mich (trotz LA-traffic) in ungefähr einer Stunde an mein Zielort brachte: E Atherton Street, Long Beach. Mit 2 großen Koffern und einem Rucksack beladen betrat ich also meine Bleibe, in der ich die nächsten mindestens 4 Monate verbringen werde und wurde von Pawan (ja, das ist ein indischer Name) empfangen. Langsam merkte ich, dass ich nun fast 24 Stunden am Stück kein Auge zugetan hatte, unterhielt mich aber dennoch noch ein paar Minuten mit ihm. Pawan, aber auch die anderen Mitbewohner Sai, Sam und Gautam machten es mir in den ersten Tagen sehr viel leichter in dieser komplett neuen Welt anzukommen und halfen/helfen mir bei jeder Frage und bei jedem Problem. Die ersten Tage verliefen anschließend recht ruhig - mit dem Jetlag kämpfend fing ich an, mich langsam in diese Welt einzuleben. Wo ist der nächstgelegene Supermarkt? Was muss noch alles besorgt werden? Wo kann ich all das besorgen? Wo kann ich Wäsche waschen? Und und und...mithilfe meiner Mitbewohner, die mir dahingehend wirklich alles zeigten, fand ich mich doch sehr schnell gut zurecht. Mit einem Fahrrad, das (warum auch immer) nicht verwendet wird, konnte ich gleich die Gegend ein wenig erkunden und ein paar Einkäufe erledigen.

 

Am Dienstag der darauf folgenden Woche ergab sich dann schon der erste Ausflug: zwei deutsche Jungs hatten noch 2 Plätze in ihrem Mietauto frei und wollten nach Vegas fahren. Dort schloss ich mich also mit einem (deutschen) Mädel, das ich im Apartmentkomplex, in dem ich wohne, kennengelernt hatte, an. Nach knapp 4 Stunden Fahrt durch doch sehr wüstenähnliches Land erschien vor uns wie aus dem Nichts Las Vegas. Unser Hotel lag direkt an der Hauptstraße (der "strip") und nannte sich "treasure island". Nach anfänglichem Staunen über den immerwährenden Prunk und Luxus, der hier scheinbar herrscht, bezogen wir unsere Zimmer und machten uns (bei 40 Grad im Schatten) auf den Weg, um ein wenig über den Strip zu laufen und die Gegend zu erkunden.....was angesichts dieser Temperaturen wohl doch kein sehr sinnvolles Unterfangen war. Also setzten wir uns in ein kühles, klimatisiertes Diner und ließen uns erst einmal (klassisch) Burger schmecken. Den Rest des Tages verbrachten wir dann am hoteleigenen Pool und warteten den Sonnenuntergang ab, um ein wenig mehr von der Stadt zu sehen, ohne sofort dahinzuschmelzen. Der nun folgende Spaziergang über die Hauptstraße der Stadt war gespickt mit bunten, blinkenden Schildern, Springbrunnen, allerhand Casinos, zu vielen Menschen und immer noch zu hohen Temperaturen - aber dennoch interessant und neu.

Da der Grand Canyon von Las Vegas nur 4 Stunden Autofahrt entfernt lag, beschlossen wir noch am Dienstagabend, uns sehr früh auf den Weg dort hin zu machen - also saßen wir am Mittwochmorgen um 7 Uhr wieder in unserem Wagen und traten einen 1-Tages-Trip an die große Schlucht an. Der Weg dorthin gestaltete sich doch recht vielseitig. Während Nevada noch viel aus karger Wüste bestand, wurde es Richtung Arizona und näher zum Grand-Canyon-Nationalpark immer grüner. Nach einer langen Strecke über eine sehr idyllische Hochebene (2000 Höhenmeter) war es dann soweit - wie aus dem Nichts erschien ein Abgrund, dessen Anblick ich niemals vergessen werde. Bis zu 5km breit und 1km tief erstreckte sich diese unglaublich große in rot getauchte Landschaft direkt vor bzw. unter meinen Füßen - wirklich atemberaubend! Vom Süden her kommend, fuhren wir 2-3 Stunden alle Aussichtspunkte ab und genossen diese wunderbare Aussicht.

Der Mittwochabend gehörte nach unserer Rückkehr ins Hotel nochmals der Stadt Las Vegas - ein Streifzug durch die Casinos und Clubs des Hotels schloss unseren Ausflug ab - bevor es aber am Donnerstag wieder zurück nach Long Beach gehen sollte, fuhren wir kurz am "Hooverdamm" vorbei, dessen gestauter See die Stadt mit Wasser versorgt. Auch dieser Anblick des wirklich riesengroßen Staudamms war beeindruckend - aber auch hier hinderten uns die Temperaturen daran, große Strecken zu Fuß zurückzulegen. Also ging es wieder zurück Richtung LA. (Randnotiz: Las Vegas = Wüste --> See trocknet immer mehr aus, Wasserverschwendung ohne Ende...that's America)

 

Die Tage des Wochenendes wurden nochmals genutzt, um zum Strand zu fahren und weitere Besorgungen zu tätigen. Am 16.08. ging es dann schon mit einer "orientation week" an der Uni los! Nach Begrüßung und Vorstellung des Ablaufsplans dieser Woche kam schon der erste kleine Vortrag, der uns auf das System "Uni" in den USA ein wenig vorbereiten sollte...dazu gleich mehr. Die nun folgende Woche verging so schnell, wie sie angefangen hatte. Hier ein Abend am Strand mit Lagerfeuer, dort eine Feier im bei Studenten sehr beliebten Club und ein Workshop, der uns bei der Kursauswahl und -registrierung helfen sollte. Und dann ging es los - die erste Uniwoche. Jeder hatte nun die Aufgabe, seine Kurse auszuwählen und einen sehr komplizierten und langwierigen Registrierungsprozess zu durchlaufen (bei manchen ist er immer noch nicht abgeschlossen), um abschließend in die Kurse eingeschrieben zu werden.

Für mich war diese Woche überaus aufregend und eine komplett neue Erfahrung. Völlig auf sich allein gestellt zum ersten "class meeting" zu gehen, sich vor bis zu 30 Studenten auf englisch vorstellen, aufmerksam zuhören und abschließend den Dozenten um Erlaubnis bitten, seinen Kurs besuchen zu dürfen - das kannte ich so in dieser Form nicht und war wirklich sehr interessant. Es verlief auch nicht alles nach Plan und ich musste meinen Stundenplan ein wenig umstrukturieren und mich mit all dem zurecht finden....aber der Stundenplan steht!

Welche Kurse haben es auf meine Liste geschafft und werde ich das Semester über besuchen? (vielleicht eher interessant für meine Mitstudenten;-))

Insgesamt sind es fünf Stück, alle im "Kinesiology"-department:

- "prevention and care of athletic injuries", 2 mal in der Woche (jeweils Vorlesung und Praxis): hier werde ich lernen, zu tapen und Verbände anzulegen und allgemein viel über Sportverletzungen erfahren.

- "developmental and therapeutic exercise", ebenfalls 2 mal in der Woche mit Vorlesung und Praxis: vergleichbar mit der Reha-Thematik in der TUC, der Fokus liegt allerdings nur auf orthopädischen Erkrankungen bzw. Verletzungen, wie z.B. Muskel- oder Gelenksverletzungen....scheinbar bekomme ich hier sogar Einblicke in die manuelle Therapie, ganz sicher lerne ich aber Konzeption und Planung von spezifischen Maßnahmen bei spezifischen Verletzungen

- "advanced strength and conditioning", 2 mal Vorlesung in der Woche. Im Prinzip eine Vertiefung von klassischen Trainingsmethoden aber auch neuen Verfahren....ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet.

- "techniques of physical fitness", auch 2 mal in der Woche mit einer Mischung aus Praxis und Vorlesung. Hier bekomme ich nochmal einen umfassenden Einblick in Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitstraining und muss selbst aktiv werden - 1,5 miles-run, Unterarmstütz, Bankdrücken, Beinpresse, Liegestütze und sit-and-reach-test, alles auf das Maximale....Test jeweils am Anfang, in der Mitte und am Ende, 0 bis maximal 5 Punkte - auch körperlich werde ich hier also gefordert!

- zu guterletzt habe Dienstag in der früh (7 Uhr am Strand) immer einen Surfkurs, auf den ich mich natürlich auch sehr freue.

 

Zwischendurch war es möglich, einen Tagesausflug nach Los Angeles selbst zu machen - Stationen hier waren der Hollywood-Blvd, Little Tokyo in der Downtown und abschließend der Santa Monica-Pier und Venice Beach. LA gefällt mir an sich sehr gut, Hollywood war allerdings nicht allzu beeindruckend, meiner Meinung nach. Die Sterne der Stars am Boden standen im harten Kontrast zu den vielen "homeless people" auf der Straße - gesehen haben sollte man es allerdings natürlich schon! Die Downtown ist zu groß, um sie in ein paar Stunden komplett zu erkunden. Hier bekam ich also nur einen kleinen Eindruck, dieser war in Little Tokyo aber schon sehr interessant und sicherlich wird es noch den ein oder anderen Ausflug dorthin geben (von Long Beach sind es lediglich ca. 45 Minunten mit dem Zug nach LA). Das Beste dieses Ausfluges war allerdings der Santa-Monica-Pier und Venice Beach - das Gesamtbild von Strand, Leuten und Geschäften gefiel mir hier einfach am besten.

 

Jetzt möchte ich ein wenig versuchen, euch einen Eindruck davon zu verschaffen, was im Vergleich zu Deutschland anders ist - oder mir generell aufgefallen ist:

 

Der LA-traffic ist wirklich übel. Zu bestimmten Zeiten braucht man für eine Strecke innerhalb LA's sicherlich bis zu 2 Stunden länger, als sie normal dauern würde. Die Straßen sind im Vergleich zu Deutschland stets sehr viel größer - der Highway hat selbst innerhalb der Städte immer 5 Spuren, die meist auch immer gut besucht sind. Warum? Weil eigentlich jeder in den USA ein Auto hat. Auf der einen Seite verständlich, weil die Entfernungen einfach immens sind...ob im jedem Auto allerdings immer nur eine Person sitzen muss, ist die andere Frage. Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel in den USA ist jedenfalls richtig schlecht im Vergleich zu Deutschland, New York vielleicht ausgenommen. Ein Shuttlebus-Netz innerhalb von Long Beach ist aber vorhanden, mit dem man ohne Probleme (und wir als Studenten kostenlos) zur Uni und zur Downtown bzw. zum Strand von Long Beach kommt. Wie oben schon erwähnt benutze ich allerdings meist das Fahrrad - in knapp 10 Minuten an der Uni, ein bisschen mehr als 15 Minuten zum Strand sind für amerikanische Verhältnisse keine Distanzen. Aber auch wenn "bike lanes" vorhanden sind, sieht man auf den Straßen kaum Fahrradfahrer, geschweige denn Fußgänger und bei der Menge an Autos muss ich stets aufmerksam bleiben, wenn ich unterwegs bin.

Essen - ein weiteres Thema. Ja, es gibt wirklich an jeder Ecke irgendein Fastfood-Restaurant. Preislich zum Teil normal, zum Teil billig. Geschmacklich zum Teil sehr lecker, zum Teil nicht essbar, aber ganz sicher immer eins: ungesund. Im ersten Supermarkt, den ich zum einkaufen besuch hatte, ist die Obst- und Gemüseabteilung so klein wie ein Esstisch in der Küche. Dafür gibt es im Prinzip alles, was es an Fastfood je gegeben hat, im Tiefkühlfach. Glücklicherweise ist in der Nähe ein Supermarkt, der eine wirklich große Auswahl an frischem Obst und Gemüse hat (ob genmanipuliert oder nicht, sei mal dahingestellt) ABER hier kommen wir auch schon zum nächsten Punkt: jedes frische Produkt, das nicht in 10.000 Schritten verarbeitet oder modifiziert wurde, ist sehr viel teuerer. Sogenanntes "organic food", also Bio, kann sich hier eh kein normal Sterblicher leisten. Auch Übergrößen scheinen hier recht normal zu sein: 1 Gallon Milch (knapp 4 Liter), 5kg Butter.....ganz normal. Ob das gut oder schlecht ist, kann jeder für sich selbst entscheiden. Die Kalifornier an sich scheinen aber noch sehr gesund und vor allem sportlich zu leben. Begibt man sich an den Strand, so findet man hunderte Jogger, (Inline-)Skater und sonstige Sportler dort die Straße entlangpacen.

Nicht nur was Autos, Straßen, Pizzen, Getränke im Fastfood-Restaurant oder Lebensmittelverpackungen betrifft, muss man in größeren Dimensionen denken - Amerika ist ein rießiges Land. Eine 4 Stunden-Fahrt wird hier fast als Kurzstrecke bezeichnet...und San Francisco ist mit 6 Stunden Autofahrt nicht weit entfernt. Auch der Campus meiner Uni ist einfach sehr viel größer, als man es auch Deutschland gewohnt ist. Möchte man vom einen zum anderen Ende laufen, brauch man dafür sicherlich eine reichliche halbe Stunde.

 

Wo wir schon beim nächsten (und wahrscheinlich letzten) Thema dieses Eintrages sind: Uni- und Studentenleben. Ja, der durchschnittliche Amerikaner verschuldet sich für ein Studium (80.000$ für den Bachelor, 40.000$ für den Master im Schnitt) und hat keine Garantie auf einen Job. Da können wir in Deutschland wirklich glücklich über eine im Prinzip kostenlose Bildung sein. Auf der anderen Seite kann man dadurch davon ausgehen, dass hier die Leute sehr viel mehr Ehrgeiz und Ambition in ihr Studium legen, was bei den meisten auch mein Eindruck ist. Das Unileben hier kommt dem unseres Schulsystems sehr nahe - durchgehende Anwesenheitspflicht in den Kursen, regelmäßige Hausaufgaben, Tests und Quizzes in regelmäßigen Abständen schon während des Semesters und (meist) kleine Klassengrößen. So teuer das Studium hier ist, so perfekt ausgestattet sind die Universitäten. So anstrengend der Arbeitsaufwand schon während des Semesters vielleicht klingen mag, man setzt sicher umso intensiver mit Stoff und Studium auseinander. Besonders auf die Sportwissenschaft bezogen kann ich hier einiges mitnehmen. Sport hat hier einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Das Leben spielt sich zum größten Teil auf dem Campus ab. Studium, jegliche Art von Sportaktivitäten (sowas wie Vereine außerhalb der Uni gibt es hier nicht), Kunst, Kultur und und und kann man an der Uni selbst erleben und mitgestalten.

 

Nun ich bin tatsächlich ans Ende meines ersten Eintrages gelangt. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in meine Welt hier in Kalifornien verschaffen! Falls ihr fragen habt oder einfach wissen möchtet, wie es mir geht - ich freue mich über jede Nachricht ;-)

Für heute steht noch viel Lektüre an, die ich für die einzelnen Fächer erledigen muss. Die nächsten Wochen werden sicherlich sehr zeitintensiv, was das Studium betrifft. Aber deswegen bin ich ja auch hier.

 

Liebe Grüße aus dem sonnigen Long Beach nach Deutschland,

Simon

 

 

 

 

Saying Goodbye

01Aug2016

Nach nunmehr fast einem ganzen Jahr Vorbereitungszeit, in welcher wirklich sehr vieles organisiert werden musste, geht es diesen Freitag nun endlich los: von Berlin über London nach LA weiter nach Long Beach!

Die Aufregung steigt natürlich immer mehr, wirklich realisieren werde ich das Ganze wahrscheinlich aber erst, wenn ich dort bin.

Der Abschied aus Deutschland fällt trotzdem auch schwer - besonders, wenn man viele wichtige und liebenswerte Menschen in seiner Heimat zurücklässt, nicht zuletzt eine wunderbare Partnerin.

Doch freue ich mich auf alles, was mich "dort drüben" erwarten wird und bin mir sicher, für mich, meine Persönlichkeit und auch meine Ausbildung ganz viel mitnehmen zu können.

Also, goodbye Deutschland,

Long Beach, here I come!

Passport&Co.